Sportlärm für Anfänger

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„Fußball ist einfach. Aber es ist schwer, einfach zu spielen.“
Johan Cruyff

Beim geplanten Umbau des Erbstollen Parks spielt der Lärmschutz eine wichtige Rolle. Ein Gutachten soll daher klären, wie unsere barrierefreie und inklusive Sport- und Freizeitanlage aussehen muss und durch welche Maßnahmen der sogenannte „Sportlärm“ im zulässigen Rahmen bleibt. Wichtig ist dabei auch die Frage, ob unsere Pläne den „Altanlagenbonus“ gefährden, denn ohne diesen hätten wir höhere Auflagen zu erfüllen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 8.000 Sportplätze, auf denen vor allem Fußball gespielt wird. Einer davon ist der Erbstollen Park. Vermutlich machen all diese Plätze immer wieder mal Lärm – der Erbstollen Park ganz sicher. Dieser Lärm kann stören, vor allem die Nachbarn.

Um die unterschiedlichen Interessen der Nutzer und der Nachbarn von Sportanlagen zu regeln, gibt es die „18. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“, besser bekannt als „Sportanlagenlärmschutzverordnung“. Sie enthält unter anderem festgelegte Obergrenzen für den Sportlärm (Immissionsrichtwerte). Die sind wiederum von den Nutzungszeiten abhängig. Besonders und privilegiert behandelt werden Sportplätze, die vor dem 18. Juli 1991 gebaut wurden – wie auch der Erbstollen Park. Für solche Anlagen gelten geringere Anforderungen.

Sportstätten sind in der Regel Anlagen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG). Deshalb bedürfen sie entsprechend den länderspezifischen Regelungen einer Baugenehmigung. Also sind im Baugenehmigungsverfahren auch die Vorschriften der Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV) zu beachten. Eine Sportanlage bekommt keine Baugenehmigung, wenn durch ihren Betrieb die Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärmschutzverordnung (der Sportlärm) voraussichtlich überschritten würden. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ungenügende Abstände geplant sind.

Die Bundesregierung hat kurz vor Weihnachten einen Entwurf zur Änderung der Sportanlagenlärmschutzverordnung vorgelegt. Für Sportanlagen sollen künftig weniger strenge Lärmgrenzwerte gelten. Die Richtwerte für die abendlichen Ruhezeiten sowie für die Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen sollen erhöht werden. Weiterhin soll die Regelung für Sportanlagen, die vor 1991 genehmigt oder die ohne Genehmigung errichtet werden konnten, konkretisiert werden. Geregelt werden soll, welche Umbauten oder Änderungen zulässig sind, damit die entsprechende Anlage weiterhin den „Altanlagenbonus“ nutzen kann, der eine Grenzwertüberschreitung ermöglicht. Die zuständige Ministerin Barbara Hendricks hat das grundsätzlich so begründet: „Wir brauchen Sportplätze in der Stadt – für die Gesundheit, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Kinder, die nicht mal eben an den Stadtrand fahren können.“

Betreiber (das sind oft die Kommunen) wie Nutzer (das sind bisher meist die Vereine) von Anlagen für den Breitensport begeben sich aufgrund der Lärmschutzproblematik oft in Konflikt mit den Nachbarn. Die Verantwortlichen der Vereine nehmen dies meist in Kauf, weil sie ihren Mitgliedern und Mannschaften maximalen Spiel- und Trainingsbetrieb ermöglichen wollen. Bei Weitmar 09 sind das immer um die 20 Mannschaften! Ganz aktuell freuen wir uns, dass wir in der Jugend gleich zwei neue Mannschaften (Minis 2 und F2) und bei den Senioren eine zweite Alte-Herren Mannschaft ins Rennen schicken können. Das zeigt, wie lebendig unser Verein ist und wie sehr wir auch infrastrukturelle Erneuerung brauchen.

Für die Verantwortlichen in den Kommunen stellt sich die Sache anders dar: Insbesondere bei möglichen Modernisierungsmaßnahmen an älteren Anlagen wie dem Erbstollen Park besteht die Gefahr, dass diese ihren Bestandsschutz verlieren können. Wenn nämlich eine Nutzungsänderung eintritt, droht sogar der Entzug der Betriebsgenehmigung oder zumindest eine Einschränkung der Betriebszeit. Dieses Risiko wird natürlich sehr ernst genommen.

Nach Meinung vieler Beobachter haben die Gerichte in der Vergangenheit sehr ängstlich und zu wenig im Sinne des Sports entschieden – das musste auch ein Wittener Nachbarverein vor ein paar Jahren sehr schmerzhaft an der eigenen Anlage erfahren. Insgesamt führte die bisherige Rechtssprechung zu Verunsicherung bei allen Beteiligten. Unter anderem unterlag der Kinderlärm auf Spielplätzen anderen Grenzwerten als Kinderlärm auf Sportplätzen: Kurz gesagt durften Kinder im Sandkasten (Kinderlärm) bisher mehr Lärm verursachen als auf dem benachbarten Sportplatz (Sportlärm) – das leuchtet eher nicht ein.

Der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie der Deutsche Fußball-Bund begrüßen die Novelle, fordern jedoch Nachbesserungen. So soll der Sportlärm von Kindern und Jugendlichen auf Sportstätten nicht als störend eingestuft werden. Im Jahr 2011 wurde durch Bundesgesetz beschlossen, dass Kinderlärm keine schädliche Umwelteinwirkung im Sinne des Lärmschutzrechtes ist und somit auch keine erhebliche Belastung darstellt. Dieser Grundsatz müsse konsequenterweise auch für Geräusche von Kindern gelten, die auf Sportanlagen aktiv sind, den Sportlärm.

Mit den am 30. November 2016 vom Bundeskabinett beschlossenen Änderungen werden die sogenannten „alten“ Anlagen rechtlich besser abgesichert. Die drei Verbände setzen sich dafür ein, eine Bestandssicherung für alle bestehenden Anlagen umzusetzen. Die Regelung soll auf 2017, das Jahr des Inkrafttretens der zweiten Änderungsverordnung, erweitert werden.

Die „Rechtssichere Weiterentwicklung des sogenannten Altanlagenbonus“ ist auch für den Erbstollen Park wichtig. Bisher gelten laut Sportanlagenlärmschutzverordnung die „Umstände des konkreten Einzelfalls“. Das bedeutet, dass jeder jeden vor Gericht zerren kann, weil es für den konkreten Einzelfall logischerweise keine Regelungen gibt.

Im Anhang der aktuell noch gültigen Sportanlagenlärmschutzverordnung sind Maßnahmen aufgeführt, die „in der Regel nicht zu einem Verlust des Altanlagenbonus führen.“ Dazu gehören ausdrücklich

  • die Sanierung und Modernisierung, „z.B. die Umwandlung von Tenne- oder Rasenspielflächen in Kunststoffrasenspielflächen“ und
  • die Modifizierung der Sportanlage, zum Beispiel
    o Neubau von Spiel- und Klettergeräten
    o Trimm- und Kräftigungsgeräten
    o Kletterwände
    o Boulebahn

Zum Verlust des Altanlagenbonus können dagegen der Bau von Skatereinrichtungen und Streetballkörben sowie neue Sportflächen in den Grenzen der bestehenden Anlage führen.

Das Gutachten zum Erbstollen Park soll also Klarheit darüber bringen, welche bauliche Maßnahme an welcher Stelle wieviel Lärm produziert. Das wird uns helfen, aus unserem Konzept zügig eine belastbare Planung zu machen.

Alles könnte so einfach sein: Wir wollen doch bloß eine Anlage, in der alle Altersklassen Fußball spielen können – oder eben toben, Boule spielen oder Kaffee trinken. Erreichbar mit oder im Kinderwagen, mit dem Fahrrad, im Rollstuhl oder zu Fuß. Wir wollen unsere Nachbarn nicht stören, sondern einladen.

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